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Mehr als die Hälfte aller Menschen, die mit Taubheit und Schwerhörigkeit leben fühlen, daß sie an ihrem Arbeitsplatz nicht offen über ihre Beeinträchtigung sprechen können. Dies enthüllte eine Studie, die von der Wohltätigkeits-Organisation Action on Hearing Loss in Großbritanien durchgeführt wurde.

Brüssel, 15. Mai 2018 – 54 % der Teilnehmer einer britischen Studie haben sich dazu entschieden, sich gegenüber ihrem Arbeitgeber nicht offen zu ihrer Taubheit oder Schwerhörigkeit zu äußern. Fast neun von zehn (87 %) dieser Teilnehmer sprechen ihre GehörProbleme auch gegenüber Kollegen nicht an. Sechs von zehn (62 %) dieser Probanden schoben sogar ein aufklärendes Gespräch mit ihrem Vorgesetzten auf.

Ein Drittel dieser Probandengruppe hat diese Wahl getroffen, da sie Angst haben, aufgrund ihrer GehörProbleme am Arbeitsplatz nicht mehr fair behandelt zu werden. 60 % der Teilnehmer in dieser Gruppe sagten, daß sie annahmen, aufgrund ihrer GehörProbleme von anderen Kollegen als inkompetent betrachtet zu werden. Ganze 42 % sahen keinen Grund darin, ihre Beeinträchtigung zu erwähnen, da sie an ihrem Arbeitsplatz keine Unterstützung bekommen können.

Stress und Isolation

79 % aller Teilnehmer haben Streß am Arbeitsplatz erlebt, während zwei Drittel aller Teilnehmer sich auf der Arbeit ausgegrenzt gefühlt haben. Laut 65 % der Teilnehmer ist diese Form der Isolation durch ihre Taubheit oder Schwerhörigkeit verursacht worden.

Sorge um die berufliche Situation

Fast ein Fünftel der Teilnehmer (18 %) verheimlichten ihre Schwerhörigkeit, da sie dachten, daß sie dadurch ihre Arbeit verlieren könnten. Eine vergleichbar große Gruppe der Teilnehmer sagte, daß ihre Arbeitgeber ihnen nahegelegt hätten in den Vorruhestand zu gehen, während 12 % sich dazu gedrängt fühlten ihre Arbeitszeit zu verkürzen.

Bewerbungs-Verfahren und Schwerhörigkeit

44 % aller Teilnehmer haben sich um Stellen beworben ohne dabei ihre Schwerhörigkeit zu erwähnen. Über die Hälfte (51%) dieser Teilnehmer verschwiegen ihre GehörProbleme ,da sie Angst davor hatten, von potenziellen Arbeitgebern als inkompetent aufgefaßt werden zu können. 17 % nahmen an, daß sie am Arbeitsplatz nicht fair behandelt werden würden.

43 % der Teilnehmer, die ihren kommenden Arbeitgeber schon während des Bewerbungs-Verfahrens über ihre Schwerhörigkeit informierten, fühlten, daß wenige oder gar keine angemessenen Anpassungen am Arbeitsplatz vorgenommen wurden.

Rente

Für über die Hälfte (56 %) der Teilnehmer ist Schwerhörigkeit ein wichtiges Argument für die Entscheidung zum Vorruhestand. Fast drei Viertel (72 %) der Teilnehmer, die aufgrund von Schwerhörigkeit früher in Rente gegangen sind, trafen diese Entscheidung, da ihre Gehörprobleme zu Streß am Arbeitsplatz beitrugen. Ein Fünftel (20 %) waren der Meinung, daß darauf an ihrem Arbeitsplatz nicht Rücksicht genommen wurde.

Schockierende Befunde

“Unsere Forschung zeigt, daß sich viele Arbeitnehmer mit GehörProblemen unbegründet quälen. Und dies tun sie ungeachtet der Tatsache, daß rund 11 Millionen Menschen und damit jeder sechste Einwohner Großbritanniens von GehörProblemen betroffen ist. Es ist schockierend, daß Menschen mit Taubheit und Schwerhörigkeit im Jahre 2017 trotz Bemühungen des Staates und der Arbeitgeber die Inklusivität und Zugänglichkeit des Arbeitsmarktes zu fördern fühlen, daß sie mit ihrer Beeinträchtigung nicht offen umgehen können.”, sagt Paul Breckell, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Wohltätigkeits-Organisation Action on Hearing Loss.

Zur Studie

Die Studie wurde von der Wohltätigkeits-Organisation Action on Hearing Loss in Großbritanien durchgeführt. Es nahmen mehr als 1.000 Schwerhörige mit einem Mindestalter von 16 Jahren daran teil. Die Studie wurde zwischen dem 20. November und dem 29. Dezember 2017 als ein Teil der von Action on Hearing Loss initiierten Working for Change – Kampagne im Internet durchgeführt. Ziel der Kampagne war es, Vorurteilen über taube und schwerhörige Menschen am Arbeitsplatz vorzubeugen.

Mehr Information im Bericht (in Englisch)

Quelle: www.actiononhearingloss.org.uk