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Brüssel, 13. Dezember 2017 – Eine amerikanische Studie hat bestätigt, daß Geflechte im Gehirn sich verändern, wenn eine Person an Tinnitus leidet. Die Veränderungen führen dazu, daß sich das Gehirn mehr konzentriert, was zur Folge hat, daß eine Person mit Tinnitus schneller müde und unkonzentrierter wird.

Tinnitus bewirkt, daß das Gehirn mehr mit dem Netzwerk im Gehirn verbunden ist, das aktiv ist, wenn etwas die Aufmerksamkeit einer Person hegt. Die durch Tinnitus verursachten Veränderungen machen das Gehirn weniger mit dem Netzwerk im Gehirn verbunden, das verwendet wird, wenn sich eine Person entspannt. Dies betrifft Menschen mit Tinnitus auf eine negative Art und Weise, weil sie dadurch müder und unkonzentriert werden. Dies sind die Ergebnisse einer amerikanischen Studie.

Warum macht Tinnitus müde und unkonzentriert?

Anhand von MRT-Scans der Teilnehmer fand die Studie heraus, daß sich Tinnitus in einer Region des Gehirns befindet, die „Precuneus“ genannt wird.

Dieser Teil des Gehirns ist mit zwei umgekehrt verbundenen Netzwerken im Gehirn verbunden, die als „das dorsale Aufmerksamkeits-Netzwerk“ und „das Standardmodus-Netzwerk “ bezeichnet werden:

  • Das dorsale Aufmerksamkeits-Netz: Dieser Teil des Gehirns ist aktiv, wenn etwas die Aufmerksamkeit einer Person hegt
  • Das Standardmodus-Netzwerk : Dies sind die „Hintergrund“ -Funktionen des Gehirns, wenn die Person in einem Ruhestand ist und nicht an etwas Bestimmtes denkt

Bei Menschen mit chronischem Tinnitus wurde die Hirnregion „der Precuneus“ mehr mit „dem Dorsal-Modus-Netzwerk“ und weniger mit „dem Standardmodus-Netzwerk “ kombiniert.

Das bedeutet, daß Menschen mit Tinnitus beim Ausruhen nicht wirklich in Ruhe sind, weshalb sich viele müde fühlen.

Außerdem können Menschen mit chronischem Tinnitus Konzentrations-Schwierigkeiten haben, weil ihre Aufmerksamkeit möglicherweise mehr mit ihrem Tinnitus als notwendig verbunden ist, und das kann ihre Aufmerksamkeit auf andere Dinge reduzieren.

Validierung des Tinnitus

Die Ergebnisse dieser Studie helfen nicht nur Menschen mit Tinnitus zu verstehen, sondern auch ihre Erfahrungen mit Tinnitus zu validieren.

„Für Patienten ist dies eine Bestätigung. Hier ist etwas mit Tinnitus verbunden, das objektiv und unveränderlich ist“, sagt die Studienleiterin Fatima Husain, Professorin an der Universität von Illinois (U.S.A.).

Die Verwendung Ihres Gehirns beeinflusst den Tinnitus

Einige Menschen mit Tinnitus haben sich an ihre Tinnitus-Symptome angepasst und leiden daher weniger an dem Tinnitus.

Diese Erfahrung geringeren Leidens tritt auf, weil diese Patienten verschiedene Gehirnregionen verwenden, wenn sie emotionale Information verarbeiten, findet Studienleiter Husain in einer anderen Forschung an der Universität von Illinois (U.S.A.). Diese Patienten verwendeten mehr des Frontallappens des Gehirns. Eine größere Verwendung des Frontallappens könnte helfen, emotionale Reaktionen zu kontrollieren und dadurch Tinnitus-Stress zu reduzieren, zeigte die Studie.

HörVerlust verändert das Gehirn

Eine andere amerikanische Studie besagt, daß sich das Gehirn aufgrund von HörSchäden reorganisiert. Selbst nach drei Monaten leichter Schwerhörigkeit beginnt das Gehirn sich zu reorganisieren. So beginnen der SehSinn und der TastSinn im Gehirn die Kontrolle über den GehörSinn zu übernehmen. Dies verursacht Müdigkeit und Konzentrationsprobleme. Trotz der schnellen Reorganisation kann das Gehirn nach nur 30 Tagen Verwendung von HörGeräten wieder auf die normale Struktur zurückgehen.

Die Studie „Connectivity of precuneus to the default mode and dorsal attention networks: a possible invariant marker of long-term Tinnitus“ wurde in NeuroImage: Clinical im August 2017 veröffentlicht.

Quellen: NeuroImage: Clinical 16 (2017) 196-204 www.news.illinois.edu & Die Zeitschrift „Hørelsen“, 3 (2017)