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Als Aïda Regel Poulsen die Diagnose HörVerlust bekam war dies ein Wendepunkt in ihrem Leben – Und zwar zum positiven. Sie nutzt den HörVerlust aktiv, um ihre Arbeit zu verbessern. „Heute ist mein HörVerlust kein Nachteil mehr für mich“, sagt Aïda.

Brüssel, -5. Februar 2018 – Als Aïda Regel Poulsen im Alter von 26 Jahren einen Kaiserschnitt bekam, entstand durch die Narkose ein HörVerlust. Damals wussten die Ärzte nicht, daß HörVerlust und Anästhesie miteinander in Verbindung stehen. Heute wissen wir, daß eine Narkose in manchen Fällen das Gehör schädigen kann.

„Meine HörVerlust ist stabil und mein HörVermögen liegt heute beidseitig bei etwa 50 dB. Ich bin also auf meine HörGeräte angewiesen“, erklärt Aïda.

Auch wenn Aïdas Alltag durch die Schwerhörigkeit beeinflusst wird, war sie deswegen nie niedergeschlagen. Der HörVerlust war ihr auch nie peinlich.

„Man muß seine Grenzen kennen und stark sein. Mein HörVerlust ist Teil dessen, was meine Persönlichkeit ausmacht“, so Aïda.

HörTechnik zu bekommen ist ein Prozess

Aida erklärt, daß man sich an die Verwendung von HörHilfen gewöhnen muss und dass es einige Zeit dauern kann, bis sie richtig eingestellt sind.

„Wenn Sie HörGeräte verwenden oder zu neuen HörGeräten wechseln, müssen Sie darauf vorbereitet sein, daß es erstmal schwierig sein kann. Es ist ein Prozess, bei dem man sich daran gewöhnen muß und die Einstellungen der HörGeräte so lange justieren sollte, bis sie für den HörVerlust richtig eingestellt sind“, sagt Aïda.

Sie sagt, daß die Anpassungs-Phase besonders schwierig sein kann, wenn es am Arbeitsplatz viel Lärm gibt.

„In dieser Zeit fiel es mir schwer, zu arbeiten, weil ich in einer Schule arbeite. Es gibt viel Lärm im Klassenzimmer und wenn meine HörGeräte nicht richtig eingestellt sind, funktioniert das nicht richtig“, erklärt Aïda.

HörVerlust hilft bei der Arbeit

Sie fühlt sich aber keineswegs durch den HörVerlust ausgeschlossen. Stattdessen nutzt sie ihn aktiv zu ihrem Vorteil im Beruf. Aïda ist Englisch- und Musik-Lehrerin. Außerdem hat sie seit ihrem HörVerlust eine Ausbildung zur Logopädin absolviert. Heute arbeitet sie als HörBeraterin in einer Spezialschule für hör-geschädigte Kinder.

„Auf diese Weise kann ich meinen HörVerlust in meinem Arbeitsleben nutzen, weil ich genau weiß, wie es ist, schwerhörig zu sein. Ich kenne auch die Geräte und Techniken, die ich den Kindern in der Schule erkläre. Weil ich selbst HörVerlust habe kann ich besser verstehen, wie die Kinder verschiedene Situationen erleben. Zum Beispiel weiß ich, daß meine HörGeräte nicht immer unterschiedliche Töne wiedergeben, und das bedeutet, daß ich im Musikunterricht die Kinder besser unterrichten kann und ihnen helfen kann, wenn ihre HörGeräte besser angepasst werden müssen“, erklärt Aïda.

Sie arbeitet leidenschaftlich gerne für bessere Bedingungen für Kinder und wünscht sich, daß es leichter ist mit HörVerlust zu leben und eine Ausbildung zu bekommen.

Aktiv in EFHOH

Nicht nur in ihrer Arbeit an der Spezial-Schule nutzt Aïda ihren HörVerlust, um bessere Bedingungen für Menschen mit HörVerlust zu schaffen. Aïda ist auch eine Freiwillige in der dänischen Vereinigung für GehörGeschädigte, Høreforeningen und seit 2015 ist sie auch Sekretärin für EFHOH.

EFHOH (European Federation of Hard of Hearing People) ist eine gemeinnützige und politisch unabhängige europäische Organisation, die sich für die Bedingungen von Schwerhörigen einsetzt. Die Organisation wird von verschiedenen professionellen Organisationen in ganz Europa unterstützt.

„Als Sekretärin bei EFHOH trage ich dazu bei, daß Menschen in ganz Europa über HörVerlust informieren werden. Wir setzen uns für Offenheit und Respekt ein“, erklärt Aïda.

„In EFHOH glauben wir, daß HörVerlust keine Behinderung, sondern ein Teil des Lebens ist. Alle im Vorstand von EFHOH haben eine Schwerhörigkeit. Unser Ziel ist es, unseren Mitgliedern u helfen.“

„Zusammen definieren und tragen wir die Kultur der EFHOH. Wir verstehen einander. Das ist für normalhörende Menschen nicht immer einfach. Deshalb ist es ein Vorteil, daß wir mit anderen zusammen sind, die genau wie wir sind.“

Die Vorstandsmitglieder von EFHOH kommen aus fünf verschiedenen Ländern. Die gesamte Kommunikation erfolgt daher auf Englisch. Bei Sitzungen kommen auch assistierende HörSysteme (ALS) und Sprache-zu-Text-Systeme (STTI) zum Einsatz.

„Oft glauben Menschen, daß das Lernen einer Fremdsprache für Schwerhörige problematisch ist. Die Arbeit in EFHOH beweist eindeutig das Gengenteil.“, sagt Aïda.